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Auf diese Weise sollen mehr junge Leute für den Berufszweig begeistert werden

(Artikel von Janina Dietrich aus den Lübecker Nachrichten vom 29.11.2015)

Handwerk im Norden fordert mehr Werkkunde an Schulen pdaArticleWide

Techniklehrer Robert Westerdorf (30) zeigt Neuntklässler Marc (15), wie die neue Standbohrmaschine funktioniert. An der Schule Tremser Teich in Lübeck bekommen die Gemeinschaftsschüler Unterricht in Holz- und Metallverarbeitung sowie in Elektrotechnik.

Quelle: Fotos: Malzahn (2), Schülermann (LN)

Lübeck. Vorsichtig hält Jonas das Kabelende an die Batterie. Die beiden Leuchtdioden in seinem selbstgebauten Schaltkreis beginnen zu strahlen — allerdings unterschiedlich stark. „Das liegt an den verschiedenen Widerständen, die ich vorgeschaltet habe“, erklärt der 15-Jährige. Er nimmt am Wahlpflichtunterricht Elektrotechnik der Schule Tremser Teich in Lübeck teil.
Einmal in der Woche treffen sich die Neunt- und Zehntklässler im Werkstatt-Raum, um zunächst die Grundlagen der Schaltungstechnik zu lernen und später einen Roboter zu bauen.
„Das Handwerk wird immer wichtiger, insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels“, sagt Techniklehrer Robert Westerdorf. „Da ist es nötig, dass die Schulen mitziehen.“ Und das geschehe an der Grund- und Gemeinschaftsschule. In den unteren Klassenstufen wird mit Holz gearbeitet, die Achtklässler sollen sich demnächst mit Metallverarbeitung beschäftigen, bevor es dann in der neunten und zehnten Klasse um Elektrotechnik geht. Zahlreiche neue Maschinen seien dafür angeschafft worden, von einer Standbohrmaschine bis zu einer Zwei-Gang-Dekupiersäge.


Der Handwerkschef von Nordrhein-Westfalen, Andreas Ehlert, fordert einen solchen Unterricht auch an Gymnasien. Denn dort sind Fächer wie Technik oder Werkkunde nicht Standard. Wer heute einen Fuß in diese Schulen setze, ist deshalb nach Ansicht von Ehlert für das Handwerk verloren. „Wer nicht an handwerkliche Tätigkeiten herangeführt wird, findet trotz bester Zukunftsaussichten seltener zum Handwerk“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.
Unterstützung bekommt er für seinen Vorschlag im Norden. „Das wäre mit Sicherheit eine gute Maßnahme“, sagt Peter Bode, Obermeister der Elektroinnung Lübeck. „Werkkunde-Unterricht könnte uns dabei helfen, Menschen schon früh für das Handwerk zu begeistern und auf diese Weise leichter interessierte Lehrlinge zu finden.“
Einen Elektromotor im Unterricht zu bauen, sei zum Beispiel gar nicht so schwierig. „Da dreht sich schnell was, für die Schüler sind das Erlebnisse“, sagt er. „Wenn das alles nicht da ist, wie soll man den Leuten dann noch Technik näherbringen?“ Peter Bode hat festgestellt, dass viele junge Menschen gar keinen Bezug mehr zu dem Thema haben. „Lehrlinge haben die meisten Werkzeuge und Maschinen noch nie gesehen“, berichtet er. Sie wüssten beispielsweise nicht, wie man einen Akkubohrer benutzt oder was der Unterschied zwischen einem Schlitzschraubenzieher und einem Kreuzbit ist. Selbst das Einspannen von Sägeblättern klappe bei einigen schon nicht mehr.
„Alles, was eine frühzeitige Begeisterung junger Menschen für das Handwerk weckt, ist begrüßenswert“, sagt auch Ulf Grünke, Sprecher der Handwerkskammer Lübeck. Techniklehrer Robert Westerdorf jedenfalls scheint mit seinem Unterricht dazu beizutragen. „Es macht sehr viel Spaß“, sagt Jonas. Der Zehntklässler wollte ursprünglich am Philosophie-Kursus teilnehmen, ist aber froh, sich doch noch für Elektrotechnik entschieden zu haben. „Wir bauen hier etwas auf und sehen dann, wie es funktioniert“, sagt er. Das motiviere ihn, weiterzumachen. „Wenn Schüler nur die Berufsbezeichnung Elektrotechniker lesen, wissen sie damit nichts anzufangen“, sagt Westerdorf. „Ich bringe ihnen Sachen bei, die sie in ihrer späteren Ausbildung benötigen, etwa den Umgang mit dem Lötkolben.“
Zehntklässler Sander hat daran bereits Gefallen gefunden, immer wieder greift er zum Lötkolben. „Ich interessiere mich sehr für Technik und habe mit meinem Vater schon einiges ausprobiert“, sagt der 15-Jährige. Nach dem Realschulabschluss will er auf die Emil-Possehl-Schule wechseln, um dort am beruflichen Gymnasium in der Fachrichtung Technik sein Abitur zu machen. „Dafür brauche ich dieses Wissen.“

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